Von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) spricht man bei Menschen mit blutzuckersenkender Behandlung meist ab einem Blutzucker unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Werte unter etwa 55 mg/dl gelten als deutlich (schwer) und erfordern besondere Aufmerksamkeit.
Woran man sie erkennt
Evidenzstufe: gesichert
Der Körper warnt zunächst mit typischen Alarmzeichen: Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Heißhunger, Blässe und Unruhe. Fällt der Zucker weiter, kommen Zeichen des Nährstoffmangels im Gehirn hinzu: Konzentrationsprobleme, Verwirrtheit, Reizbarkeit, verwaschene Sprache, im Extremfall Bewusstlosigkeit. Die Anzeichen sind individuell verschieden – viele Betroffene kennen „ihre” Frühwarnzeichen.
Was zu tun ist: die 15-15-Regel
Bei einer leichten Unterzuckerung (man ist noch wach und kann schlucken) hat sich eine einfache Regel bewährt:
Also: etwa 15 g schnell wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen (zum Beispiel Traubenzucker, Saft oder zuckerhaltige Limonade), 15 Minuten warten und dann erneut messen. Ist der Wert noch zu niedrig, wird der Schritt wiederholt. Schokolade oder fettreiche Snacks eignen sich schlecht, weil das Fett die Zuckeraufnahme verlangsamt.
Wenn die Person nicht mehr schlucken kann, verwirrt oder bewusstlos ist, ist es ein Notfall: sofort den Notruf 112 wählen. Dann gilt: nichts einflößen (Erstickungsgefahr!). Angehörige, die dafür eingewiesen wurden, können ein Glukagon-Notfallpräparat verabreichen. Nach der Erholung sollte etwas gegessen werden, um einen erneuten Abfall zu vermeiden.
Warum es passiert – und die Wahrnehmungsstörung
Unterzuckerungen betreffen fast ausschließlich Menschen, die Insulin oder bestimmte Tabletten (vor allem Sulfonylharnstoffe) nehmen. Auslöser sind oft eine ausgelassene Mahlzeit, ungewohnt viel Bewegung, zu viel Medikament oder Alkohol. Wichtig: Wer häufig unterzuckert, kann die Frühwarnzeichen mit der Zeit schlechter spüren (Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung) – dann sind häufigeres Messen bzw. ein CGM und ärztliche Begleitung besonders wichtig.
Ohne blutzuckersenkende Medikamente ist eine echte, gefährliche Unterzuckerung selten – der Körper reguliert normalerweise gegen. Zittern oder Heißhunger nach langer Essenspause sind meist harmlos. Treten schwere oder wiederkehrende Symptome ohne Diabetesbehandlung auf, sollten sie aber ärztlich abgeklärt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Unterzuckerung meist ab < 70 mg/dl (bei entsprechender Behandlung); < 55 mg/dl gilt als schwer.
- Frühzeichen: Zittern, Schwitzen, Herzklopfen; später Verwirrtheit bis Bewusstlosigkeit.
- Leichte Hypo: 15-15-Regel – 15 g schnelle Kohlenhydrate, 15 Min warten, erneut messen.
- Schwere Hypo ist ein Notfall: Notruf 112, nichts einflößen, ggf. Glukagon nach Einweisung.
- Häufigste Ursache: Insulin/Sulfonylharnstoffe; die Wahrnehmung kann mit der Zeit nachlassen.
Quellen
Alle Quellenstand: 13.07.2026.
- Definition < 70 mg/dl (Level 1) und < 54 mg/dl (Level 2/schwer); Symptome; 15-15-Regel. American Diabetes Association / diabetes.org. diabetes.org
- Schwere Hypoglykämie als Notfall: nichts einflößen bei Bewusstlosigkeit, Glukagon, Notruf. IQWiG / gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de
- Ursachen (v. a. Insulin/Sulfonylharnstoffe, ausgelassene Mahlzeit, Alkohol, Bewegung); Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung. diabinfo.de. diabinfo.de