Zum Hauptinhalt springen
Wissen, das wir gemeinsam aufbauen Ehrlich und transparent Von echten Menschen mit echten Daten

Hypoglykämie: Unterzuckerung erkennen und richtig handeln

Eine Unterzuckerung entsteht, wenn der Blutzucker zu tief fällt. Früh erkannt, ist sie meist einfach zu beheben – unbehandelt kann sie aber gefährlich werden. Dieser Artikel erklärt die Anzeichen, die bewährte 15-15-Regel und wann es ein Notfall ist.

Autor: Sascha Radermacher
Zuletzt aktualisiert: 13.07.2026
Evidenz: gesichert
Illustration Hypoglykämie, die Unterzuckerung Warme Szene mit einem niedrig anzeigenden Glukose-Symbol und einem Traubenzucker als schneller Hilfe. Bei Unterzuckerung fällt der Blutzucker zu tief. Blutzucker fällt zu tief 🍃 Schnelle Hilfe Unterzucker erkennen & handeln Früh erkannt, ist eine Unterzuckerung meist einfach zu beheben.

Von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) spricht man bei Menschen mit blutzuckersenkender Behandlung meist ab einem Blutzucker unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l). Werte unter etwa 55 mg/dl gelten als deutlich (schwer) und erfordern besondere Aufmerksamkeit.

Woran man sie erkennt

Evidenzstufe: gesichert

Der Körper warnt zunächst mit typischen Alarmzeichen: Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Heißhunger, Blässe und Unruhe. Fällt der Zucker weiter, kommen Zeichen des Nährstoffmangels im Gehirn hinzu: Konzentrationsprobleme, Verwirrtheit, Reizbarkeit, verwaschene Sprache, im Extremfall Bewusstlosigkeit. Die Anzeichen sind individuell verschieden – viele Betroffene kennen „ihre” Frühwarnzeichen.

Was zu tun ist: die 15-15-Regel

Bei einer leichten Unterzuckerung (man ist noch wach und kann schlucken) hat sich eine einfache Regel bewährt:

Die 15-15-Regel bei Unterzuckerung Die 15-15-Regel bei leichter Unterzuckerung: Erstens etwa 15 Gramm schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen, etwa Traubenzucker oder Saft. Zweitens 15 Minuten warten. Drittens erneut messen und bei weiter zu niedrigem Wert wiederholen. Wichtig: Bei Bewusstlosigkeit nichts einflössen, sofort den Notruf wählen. Die 15-15-Regel (bei leichter Unterzuckerung) 15g Schnelle KH z. B. Traubenzucker, Saft oder Limonade 15 Minuten warten dem Körper Zeit geben, den Zucker aufzunehmen Erneut messen weiter zu tief? Schritt wiederholen. Notfall Bei Bewusstlosigkeit nichts einflössen – sofort Notruf 112. Glukagon nur nach Einweisung.
Abb. 1: Die 15-15-Regel bei leichter Unterzuckerung – und der klare Hinweis für den Notfall.

Also: etwa 15 g schnell wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen (zum Beispiel Traubenzucker, Saft oder zuckerhaltige Limonade), 15 Minuten warten und dann erneut messen. Ist der Wert noch zu niedrig, wird der Schritt wiederholt. Schokolade oder fettreiche Snacks eignen sich schlecht, weil das Fett die Zuckeraufnahme verlangsamt.

⚠️ Notfall: die schwere Unterzuckerung

Wenn die Person nicht mehr schlucken kann, verwirrt oder bewusstlos ist, ist es ein Notfall: sofort den Notruf 112 wählen. Dann gilt: nichts einflößen (Erstickungsgefahr!). Angehörige, die dafür eingewiesen wurden, können ein Glukagon-Notfallpräparat verabreichen. Nach der Erholung sollte etwas gegessen werden, um einen erneuten Abfall zu vermeiden.

Warum es passiert – und die Wahrnehmungsstörung

Unterzuckerungen betreffen fast ausschließlich Menschen, die Insulin oder bestimmte Tabletten (vor allem Sulfonylharnstoffe) nehmen. Auslöser sind oft eine ausgelassene Mahlzeit, ungewohnt viel Bewegung, zu viel Medikament oder Alkohol. Wichtig: Wer häufig unterzuckert, kann die Frühwarnzeichen mit der Zeit schlechter spüren (Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung) – dann sind häufigeres Messen bzw. ein CGM und ärztliche Begleitung besonders wichtig.

ℹ️ Bei Stoffwechselgesunden

Ohne blutzuckersenkende Medikamente ist eine echte, gefährliche Unterzuckerung selten – der Körper reguliert normalerweise gegen. Zittern oder Heißhunger nach langer Essenspause sind meist harmlos. Treten schwere oder wiederkehrende Symptome ohne Diabetesbehandlung auf, sollten sie aber ärztlich abgeklärt werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unterzuckerung meist ab < 70 mg/dl (bei entsprechender Behandlung); < 55 mg/dl gilt als schwer.
  • Frühzeichen: Zittern, Schwitzen, Herzklopfen; später Verwirrtheit bis Bewusstlosigkeit.
  • Leichte Hypo: 15-15-Regel – 15 g schnelle Kohlenhydrate, 15 Min warten, erneut messen.
  • Schwere Hypo ist ein Notfall: Notruf 112, nichts einflößen, ggf. Glukagon nach Einweisung.
  • Häufigste Ursache: Insulin/Sulfonylharnstoffe; die Wahrnehmung kann mit der Zeit nachlassen.

Quellen

Alle Quellenstand: 13.07.2026.

  1. Definition < 70 mg/dl (Level 1) und < 54 mg/dl (Level 2/schwer); Symptome; 15-15-Regel. American Diabetes Association / diabetes.org. diabetes.org
  2. Schwere Hypoglykämie als Notfall: nichts einflößen bei Bewusstlosigkeit, Glukagon, Notruf. IQWiG / gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de
  3. Ursachen (v. a. Insulin/Sulfonylharnstoffe, ausgelassene Mahlzeit, Alkohol, Bewegung); Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung. diabinfo.de. diabinfo.de