CGM steht für „continuous glucose monitoring”, also kontinuierliche Glukosemessung. Ein kleiner Sensor wird auf der Haut (meist am Oberarm) getragen; ein feiner Faden reicht ins Unterhautgewebe. Statt punktueller Fingerstiche liefert das System alle paar Minuten einen Wert und zeichnet daraus eine fortlaufende Kurve.
Was genau gemessen wird
Wichtig zu verstehen: Ein CGM misst den Zucker nicht direkt im Blut, sondern in der Gewebeflüssigkeit (interstitielle Flüssigkeit) zwischen den Zellen. Aus diesem Signal berechnet ein Algorithmus den geschätzten Glukosewert.1
Warum die Kurve leicht „nachhinkt”
Evidenzstufe: gesichert
Weil der Zucker erst vom Blut ins Gewebe übertreten muss, folgt der Sensorwert dem Blutzucker mit einer kleinen Verzögerung. Studien beziffern diesen physiologischen Versatz auf etwa 5 bis 10 Minuten.12 Besonders bemerkbar macht sich das bei schnellen Änderungen – etwa direkt nach dem Essen oder beim Sport.
Wenn Sie einen Sensorwert mit einem Fingerstich vergleichen, tun Sie das möglichst in einer ruhigen Phase – nicht mitten im schnellen Anstieg nach dem Essen. In Bewegungsphasen weichen beide Werte sonst systembedingt ab, ohne dass der Sensor „falsch” ist.2
Wie genau ist ein CGM?
Die Genauigkeit wird häufig über den Wert MARD angegeben (mittlere absolute relative Abweichung von einem Referenzwert). Moderne Systeme erreichen einen MARD von etwa 10 %.13 Das ist für Alltag und Trendbeobachtung gut, ersetzt aber in kritischen Situationen keine ärztlich vorgegebene Blutmessung.
Time in Range: das wichtigste Alltagsmaß
Evidenzstufe: gesichert (internationaler Konsensus)
Aus den CGM-Daten lässt sich ablesen, wie viel Zeit der Glukosewert im Zielbereich liegt – die „Time in Range” (TIR). Der internationale Konsensus von 2019 empfiehlt für die meisten Menschen mit Diabetes einen Zielbereich von 70–180 mg/dl, in dem man mindestens 70 % des Tages (etwa 17 Stunden) verbringen sollte.4 Unter 70 mg/dl sollten es weniger als 4 %, unter 54 mg/dl weniger als 1 % der Zeit sein.4
Rund 70 % Time in Range entsprechen im Mittel einem HbA1c von etwa 7 %; jede Steigerung der TIR um 10 Prozentpunkte entspricht grob einer HbA1c-Senkung um etwa 0,5 %.4 Der HbA1c zeigt den Langzeitschnitt, die TIR zeigt die tägliche Verteilung – zusammen ergeben sie ein vollständigeres Bild.
Individuelle Zielwerte können abweichen – etwa bei älteren Menschen oder in der Schwangerschaft. Welcher Zielbereich für Sie gilt, legt die ärztliche Betreuung fest. Ein CGM ist ein Beobachtungswerkzeug, kein Ersatz für ärztliche Entscheidungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein CGM misst Glukose in der Gewebeflüssigkeit, nicht direkt im Blut.
- Daraus entsteht ein physiologischer Versatz von etwa 5–10 Minuten – vor allem bei schnellen Änderungen.
- Die Genauigkeit liegt bei modernen Systemen bei einem MARD von rund 10 %.
- Time in Range: Zielbereich 70–180 mg/dl, mindestens 70 % des Tages.
- TIR und HbA1c ergänzen sich – tägliche Verteilung plus Langzeitschnitt.
Quellen
Alle Quellenstand: 12.07.2026.
- Continuous Glucose Monitoring: A Perspective on Its Past, Present, and Future Applications. Clinical Diabetes / ADA (2017). Messung in interstitieller Flüssigkeit, Zeitversatz ~5–8 Min, Kalibrierung, Genauigkeitsmaße. diabetesjournals.org
- A Tale of Two Compartments: Interstitial Versus Blood Glucose Monitoring. PMC (2010). Sensor-Lag von 5–10 Min bei schnellen Änderungen; nicht während rascher Änderungen kalibrieren. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/PMC2903977
- Accuracy and Precision of Flash Glucose Monitoring (Standard Meal Test). PMC (2020). Overall MARD 10,7 %; 100 % der Werte in Zonen A/B der Fehlergrid-Analyse. ncbi.nlm.nih.gov/PMC7199533
- Battelino T et al.: Clinical Targets for Continuous Glucose Monitoring Data Interpretation – International Consensus on Time in Range. Diabetes Care 42(8):1593–1603 (2019). Zielbereich 70–180 mg/dl, ≥70 % TIR, <4 % <70, <1 % <54; 70 % TIR ≈ HbA1c 7 %. diabetesjournals.org