Was „Remission” genau heißt
Evidenzstufe: gesichert
Von Remission spricht man, wenn der Langzeitzucker HbA1c ohne blutzuckersenkende Medikamente dauerhaft im nicht-diabetischen Bereich liegt (üblicherweise unter 6,5 % bzw. 48 mmol/mol, für mindestens drei Monate nach Absetzen der Medikamente). Wichtig ist die Abgrenzung: Remission ist keine Heilung. Die zugrunde liegende Veranlagung bleibt bestehen, und die Werte können zurückkommen – deshalb bleiben regelmäßige Kontrolluntersuchungen weiterhin nötig.
Was die DiRECT-Studie zeigt – auch nach fünf Jahren
Evidenzstufe: gesichert (RCT + Verlängerung)
Die britische DiRECT-Studie ist die wichtigste Untersuchung dazu. Mit einem strukturierten Gewichtsmanagement-Programm (zunächst eine sehr kalorienarme Formula-Diät, dann schrittweiser Kostaufbau und Unterstützung beim Halten des Gewichts) erreichten nach einem Jahr 46 % und nach zwei Jahren 36 % der Teilnehmenden eine Remission.1
Die Fünfjahresdaten ordnen das realistisch ein: Nach fünf Jahren waren noch 13 % der Teilnehmenden mit verfügbaren Daten in Remission. Von denjenigen, die am Ende von Jahr zwei in Remission waren, blieben rund 26 % auch nach fünf Jahren in Remission.2 In der Verlängerungsphase war es häufig, dass Teilnehmende wieder zunahmen und aus der Remission fielen.2 Der rote Faden: Eine langfristige Remission ist möglich, bleibt aber nur bei einem Teil bestehen – und hängt eng mit dem Erhalt der Gewichtsabnahme zusammen.
In DiRECT war nicht eine bestimmte Diät der Wirkstoff, sondern die deutliche, gehaltene Gewichtsabnahme. Wer über zwei Jahre mehr als 10 kg abgenommen hielt, war zu einem hohen Anteil in Remission. Es lässt sich also nicht sagen, dass eine spezielle Ernährungsform „zuverlässig” zur Remission führt – entscheidend ist das dauerhafte Ergebnis, und das ist im Alltag schwer zu halten.
Welche Wege es gibt
Neben strukturierten Gewichtsprogrammen mit Formula-Diät (wie in DiRECT) können auch bariatrisch-metabolische Operationen bei ausgeprägter Adipositas zu einer Remission führen – sie sind gut untersucht, aber ein Eingriff mit eigenen Risiken und Voraussetzungen. Welcher Weg infrage kommt, hängt von der individuellen Situation ab (u. a. Diabetesdauer, Gewicht, Begleiterkrankungen) und gehört in ärztliche Hand. Grundsätzlich gilt: Je kürzer der Diabetes besteht und je mehr Gewicht nachhaltig abgenommen wird, desto höher die Chance.
Medikamente werden im Rahmen solcher Programme nur unter ärztlicher Begleitung reduziert oder abgesetzt – nie eigenmächtig. Auch in Remission bleiben regelmäßige Kontrollen (Blutzucker/HbA1c, Augen, Nieren, Füße) wichtig, weil die Werte zurückkommen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Remission = HbA1c ohne Medikamente im nicht-diabetischen Bereich – aber keine Heilung.
- DiRECT: 46 % (1 J.), 36 % (2 J.), 13 % (5 J.) in Remission; von den 2-Jahres-Remittierten blieben ~26 % bis Jahr 5.
- Remission hängt eng am dauerhaften Erhalt der Gewichtsabnahme; Rückfälle sind häufig.
- Keine einzelne Diät führt „zuverlässig” zur Remission – entscheidend ist das gehaltene Ergebnis.
- Auch bariatrisch-metabolische OPs sind ein Weg; die Auswahl ist individuell und ärztlich.
- Kontrolluntersuchungen bleiben auch in Remission nötig.
Quellen
Quellenstand: 13.07.2026.
- DiRECT: 46 % Remission nach 1 Jahr, 36 % nach 2 Jahren; Programm mit Formula-Diät und Gewichtserhalt. Lean et al., Lancet (2018/2019). thelancet.com
- DiRECT 5-Jahres-Verlängerung: 13 % Gesamt-Remission bei Jahr 5; 26 % der 2-Jahres-Remittierten weiterhin in Remission; häufige Gewichtszunahme/Rückfälle. Lean/Taylor et al., Lancet Diabetes & Endocrinology (2024). thelancet.com
- Remissionsdefinition (HbA1c < 6,5 % ohne Medikamente, ≥ 3 Monate) und Abgrenzung zur Heilung; bariatrisch-metabolische Chirurgie als weiterer Weg. Konsensbericht (ADA/EASD u. a.). diabetesjournals.org