Der Begriff Prädiabetes beschreibt einen Zustand, in dem die Blutzuckerwerte über dem Normalbereich liegen, aber noch nicht die Schwelle zum Diabetes erreichen.1 Wichtig: Prädiabetes ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Risikozustand – und ein guter Zeitpunkt zum Gegensteuern.
Die drei Wege zur Einordnung
Es gibt drei anerkannte Messwerte. Nach den Kriterien der amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA) genügt bereits einer davon im entsprechenden Bereich:12
Nüchternwert, Zuckerbelastungstest (OGTT) und HbA1c erfassen oft nicht dieselben Personen.3 Der OGTT deckt mehr Menschen mit Prädiabetes auf als der HbA1c, ist aber aufwändiger. Welcher Test für Sie sinnvoll ist, entscheidet die ärztliche Betreuung. Eine Randnotiz: Die WHO setzt die Nüchtern-Untergrenze teils bei 110 statt 100 mg/dl an.2
Warum sich Gegensteuern lohnt
Evidenzstufe: gesichert
Das Risiko steigt kontinuierlich mit dem Wert – und Prädiabetes ist keine Einbahnstraße. Große Präventionsstudien zeigen, dass sich durch Lebensstilmaßnahmen das Fortschreiten zum Typ-2-Diabetes deutlich verzögern oder verhindern lässt.1 Die wirksamsten Hebel sind mehr Bewegung, der Abbau von Bauchfett und eine ballaststoffreiche Ernährung.
Prädiabetes verläuft meist ohne Symptome und wird über eine Blutuntersuchung entdeckt. Bei erhöhten Werten, familiärer Vorbelastung oder Übergewicht ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll – auch, um Begleitrisiken wie Blutdruck und Blutfette mit zu betrachten.
Was Prädiabetes eigentlich ist
Prädiabetes ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine Vorstufe: Der Blutzucker ist bereits erhöht, aber noch nicht im diabetischen Bereich. Dahinter steckt meist eine wachsende Insulinresistenz – die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an, die Bauchspeicheldrüse muss mehr davon produzieren, um den Zucker noch zu bewältigen. Das Tückische: Prädiabetes tut nicht weh und macht in der Regel keine Symptome. Entdeckt wird er fast immer zufällig über eine Blutuntersuchung.
Wer besonders gefährdet ist
Das Risiko steigt vor allem mit diesen Faktoren:
- Bauchbetontes Übergewicht – Fett im Bauchraum treibt die Insulinresistenz besonders an.
- Familiäre Vorbelastung – Typ-2-Diabetes bei Eltern oder Geschwistern.
- Bewegungsmangel und überwiegend sitzender Alltag.
- Höheres Alter sowie ein früherer Schwangerschaftsdiabetes.
Wichtig: Prädiabetes ist ein Warnsignal, keine Einbahnstraße. Bei vielen Menschen lässt sich der Blutzucker in dieser Phase wieder normalisieren.
Konkret gegensteuern
Die wirksamsten Hebel sind gut belegt und alltagstauglich:
- Bewegung: rund 150 Minuten pro Woche moderate Aktivität – dazu zählen schon zügige Spaziergänge.4
- Gewicht: schon 5–7 % weniger Körpergewicht senken das Risiko deutlich.4
- Teller: mehr Ballaststoffe und weniger schnelle Kohlenhydrate flachen die Spitzen ab.
- Nach dem Essen gehen: 10–15 Minuten dämpfen den Anstieg spürbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Prädiabetes = Grauzone zwischen normal und Diabetes, ein Warnsignal.
- Nüchternblutzucker 100–125 mg/dl, OGTT-2h-Wert 140–199 mg/dl, HbA1c 5,7–6,4 %.
- Ein Wert im Grenzbereich genügt zur Einordnung – die Tests decken aber nicht dieselben Personen ab.
- Lebensstil kann das Fortschreiten deutlich verzögern oder verhindern.
Quellen
Alle Quellenstand: 12.07.2026.
- ADA-Kriterien für Prädiabetes: Nüchternglukose 100–125 mg/dl, OGTT-2h 140–199 mg/dl, HbA1c 5,7–6,4 %; Risiko kontinuierlich; ein Kriterium genügt. Zusammengefasst nach ADA 2022. livhospital.com
- Reappraisal of Prediabetes, J Clin Endocrinol Metab (2016): Geschichte der Grenzwerte; WHO belässt IFG-Untergrenze bei 110 mg/dl; ADA senkte auf 100. academic.oup.com
- Glycated haemoglobin versus OGTT in identifying prediabetes, PMC (2019): geringe Übereinstimmung; HbA1c weniger sensitiv als OGTT. ncbi.nlm.nih.gov/PMC6704621
- ~150 Min/Woche Aktivität plus 5–7 % Gewichtsabnahme verzögern/verhindern Typ-2-Diabetes deutlich (Diabetes Prevention Program). canr.msu.edu