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Prädiabetes: Grenzwerte verstehen und rechtzeitig gegensteuern

Prädiabetes ist die Grauzone zwischen gesundem Zuckerstoffwechsel und Diabetes – ein Warnsignal, das sich oft günstig beeinflussen lässt. Welche drei Messwerte zählen und wo genau die Grenzen liegen.

Autor: Sascha Radermacher
Zuletzt aktualisiert: 12.07.2026
Evidenz: gesichert (Leitlinien)
Illustration Prädiabetes Warme Szene mit einer Ampel-Metapher: grün, gelb, rot. Prädiabetes ist der gelbe Bereich zwischen gesund und Diabetes, ein Warnsignal, das sich günstig beeinflussen lässt. Der gelbe Bereich Prädiabetes liegt zwischen gesund und Diabetes – und ist gut beeinflussbar. Ein Warnsignal, kein Urteil – oft lässt sich gegensteuern.

Der Begriff Prädiabetes beschreibt einen Zustand, in dem die Blutzuckerwerte über dem Normalbereich liegen, aber noch nicht die Schwelle zum Diabetes erreichen.1 Wichtig: Prädiabetes ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Risikozustand – und ein guter Zeitpunkt zum Gegensteuern.

Die drei Wege zur Einordnung

Es gibt drei anerkannte Messwerte. Nach den Kriterien der amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA) genügt bereits einer davon im entsprechenden Bereich:12

Grenzwerte für Prädiabetes Tabelle der drei Messwerte nach ADA: Nüchternblutzucker normal unter 100, Prädiabetes 100 bis 125, Diabetes ab 126 mg pro Deziliter. Zwei-Stunden-Wert im Zuckerbelastungstest normal unter 140, Prädiabetes 140 bis 199, Diabetes ab 200. HbA1c normal unter 5,7 Prozent, Prädiabetes 5,7 bis 6,4 Prozent, Diabetes ab 6,5 Prozent. Die drei Wege zur Diagnose Grenzwerte nach ADA – einer davon reicht für die Einordnung Messwert normal Prädiabetes Diabetes Nüchtern-blutzucker unter 100 100–125 ab 126

2-Std-Wert(Zuckertest) unter 140 140–199 ab 200

HbA1c unter 5,7 % 5,7–6,4 % ab 6,5 % mg/dl mg/dl Hinweis: WHO setzt die Nüchtern-Untergrenze teils bei 110 mg/dl. OGTT und HbA1c erfassen oft nicht dieselben Personen. Ein Grenzwert allein ist keine Diagnose – die ärztliche Einordnung zählt.

Abb. 1: Die drei Messwerte und ihre Grenzbereiche nach ADA. Prädiabetes ist der jeweils mittlere (gelbe) Bereich.
Warum die Tests nicht immer übereinstimmen

Nüchternwert, Zuckerbelastungstest (OGTT) und HbA1c erfassen oft nicht dieselben Personen.3 Der OGTT deckt mehr Menschen mit Prädiabetes auf als der HbA1c, ist aber aufwändiger. Welcher Test für Sie sinnvoll ist, entscheidet die ärztliche Betreuung. Eine Randnotiz: Die WHO setzt die Nüchtern-Untergrenze teils bei 110 statt 100 mg/dl an.2

Warum sich Gegensteuern lohnt

Evidenzstufe: gesichert

Das Risiko steigt kontinuierlich mit dem Wert – und Prädiabetes ist keine Einbahnstraße. Große Präventionsstudien zeigen, dass sich durch Lebensstilmaßnahmen das Fortschreiten zum Typ-2-Diabetes deutlich verzögern oder verhindern lässt.1 Die wirksamsten Hebel sind mehr Bewegung, der Abbau von Bauchfett und eine ballaststoffreiche Ernährung.

⚠️ Wann zum Arzt?

Prädiabetes verläuft meist ohne Symptome und wird über eine Blutuntersuchung entdeckt. Bei erhöhten Werten, familiärer Vorbelastung oder Übergewicht ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll – auch, um Begleitrisiken wie Blutdruck und Blutfette mit zu betrachten.

Was Prädiabetes eigentlich ist

Prädiabetes ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine Vorstufe: Der Blutzucker ist bereits erhöht, aber noch nicht im diabetischen Bereich. Dahinter steckt meist eine wachsende Insulinresistenz – die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an, die Bauchspeicheldrüse muss mehr davon produzieren, um den Zucker noch zu bewältigen. Das Tückische: Prädiabetes tut nicht weh und macht in der Regel keine Symptome. Entdeckt wird er fast immer zufällig über eine Blutuntersuchung.

Wer besonders gefährdet ist

Das Risiko steigt vor allem mit diesen Faktoren:

  • Bauchbetontes Übergewicht – Fett im Bauchraum treibt die Insulinresistenz besonders an.
  • Familiäre Vorbelastung – Typ-2-Diabetes bei Eltern oder Geschwistern.
  • Bewegungsmangel und überwiegend sitzender Alltag.
  • Höheres Alter sowie ein früherer Schwangerschaftsdiabetes.

Wichtig: Prädiabetes ist ein Warnsignal, keine Einbahnstraße. Bei vielen Menschen lässt sich der Blutzucker in dieser Phase wieder normalisieren.

Konkret gegensteuern

Die wirksamsten Hebel sind gut belegt und alltagstauglich:

  • Bewegung: rund 150 Minuten pro Woche moderate Aktivität – dazu zählen schon zügige Spaziergänge.4
  • Gewicht: schon 5–7 % weniger Körpergewicht senken das Risiko deutlich.4
  • Teller: mehr Ballaststoffe und weniger schnelle Kohlenhydrate flachen die Spitzen ab.
  • Nach dem Essen gehen: 10–15 Minuten dämpfen den Anstieg spürbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prädiabetes = Grauzone zwischen normal und Diabetes, ein Warnsignal.
  • Nüchternblutzucker 100–125 mg/dl, OGTT-2h-Wert 140–199 mg/dl, HbA1c 5,7–6,4 %.
  • Ein Wert im Grenzbereich genügt zur Einordnung – die Tests decken aber nicht dieselben Personen ab.
  • Lebensstil kann das Fortschreiten deutlich verzögern oder verhindern.

Quellen

Alle Quellenstand: 12.07.2026.

  1. ADA-Kriterien für Prädiabetes: Nüchternglukose 100–125 mg/dl, OGTT-2h 140–199 mg/dl, HbA1c 5,7–6,4 %; Risiko kontinuierlich; ein Kriterium genügt. Zusammengefasst nach ADA 2022. livhospital.com
  2. Reappraisal of Prediabetes, J Clin Endocrinol Metab (2016): Geschichte der Grenzwerte; WHO belässt IFG-Untergrenze bei 110 mg/dl; ADA senkte auf 100. academic.oup.com
  3. Glycated haemoglobin versus OGTT in identifying prediabetes, PMC (2019): geringe Übereinstimmung; HbA1c weniger sensitiv als OGTT. ncbi.nlm.nih.gov/PMC6704621
  4. ~150 Min/Woche Aktivität plus 5–7 % Gewichtsabnahme verzögern/verhindern Typ-2-Diabetes deutlich (Diabetes Prevention Program). canr.msu.edu