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Cola Zero & Koffein: Bei mir wirkt nicht der Süßstoff – sondern das Koffein

Eine Schlagzeile machte gerade die Runde: „Süßstoffe beeinflussen den Blutzucker doch”. Meine eigene Erfahrung ist differenzierter. Wenn ich am Wochenende Cola Zero trinke, passiert mit meiner Glukosekurve nichts. Was bei mir wirklich einen Effekt hat, ist das Koffein – und zwar auffällig morgens und spät abends. Hier meine Einschätzung, abgeglichen mit der Studienlage.

Autor: Sascha Radermacher
Zuletzt aktualisiert: 20.07.2026
Einzelfallbeobachtung (n=1) + Studienlage

ℹ️ Zur Einordnung

Ich habe Typ-2-Diabetes und lebe ohne Insulin und ohne Diabetes-Medikamente. Was ich hier beschreibe, ist meine persönliche Beobachtung mit dem FreeStyle Libre 3, eingeordnet mit der aktuellen Studienlage. Meine Reaktion ist individuell – deine kann anders sein.

Der Anlass: eine neue Süßstoff-Analyse

Auslöser war eine neue Auswertung der Tufts University (Juni 2026): Über 21 randomisierte Studien hinweg fanden die Forschenden bei kalorienfreien Süßstoffen im Schnitt höhere Nüchtern-Insulinwerte und höhere Langzeitzuckerwerte (HbA1c) im Vergleich zu Wasser oder Placebo, dazu einen Trend zu schlechterer Insulinempfindlichkeit.1 Als möglicher Mechanismus wird eine Veränderung der Darmflora diskutiert.

Klingt beunruhigend – aber der Teufel steckt in den Feinheiten. Die Autoren betonen ausdrücklich: Es wurde kein Schaden bewiesen, die Effekte unterscheiden sich je nach Süßstoff, und Süßstoffe bleiben die klar bessere Wahl gegenüber Zucker, wenn man damit große Zuckermengen ersetzt.1 Es ist ein Durchschnitts-Trend über Studien, keine feste Regel für den Einzelnen.

Populationstrend ≠ dein Einzelfall

Das ist genau der Punkt, den ich an meinem eigenen Beispiel zeigen kann. Ein Mittelwert über viele Studienteilnehmer sagt wenig darüber, was bei mir im Glas passiert. Und mein CGM sagt beim Süßstoff: nichts.

Meine Beobachtung: der Süßstoff bewegt nichts

Evidenzstufe: Einzelfallbeobachtung (n=1)

Ich trinke Cola Zero typischerweise am Wochenende. Wenn ich den Verlauf im CGM ansehe, bleibt die Kurve nach einer Cola Zero flach – kein akuter Anstieg, wie er nach normaler Cola sofort käme (der Vergleich steht in „Zero bestellt, normale Cola bekommen”, wo ich den Zuckergehalt normaler Cola gemessen habe). Das passt zur Physiologie: Die üblichen Süßstoffe in Cola Zero (Aspartam, Acesulfam-K) liefern keine verwertbaren Kohlenhydrate, die die akute Glukosekurve treiben würden.

Cola Zero und Koffein im Selbsttest Zwei Bausteine getrennt betrachtet. Erstens der Süssstoff in Cola Zero: In meinem CGM-Selbsttest verändert sich die Glukosekurve praktisch nicht. Zweitens das Koffein: Es kann die Insulinempfindlichkeit vorübergehend senken und den Blutzucker leicht anheben, bei mir vor allem morgens und spät abends. Morgens trifft Koffein auf das Dawn-Phänomen mit höherer Insulinresistenz, abends auf eine veränderte Stoffwechsellage. Einzelfallbeobachtung, kombiniert mit Studienlage. Zwei Dinge trennen: Süssstoff und Koffein Mein CGM-Selbsttest, eingeordnet mit der Studienlage · Einzelfall (n=1) 🥤 Der Süssstoff (Cola Zero) Bei mir: Glukosekurve bleibt flach. Kein akuter Anstieg messbar. Studienlage: im Schnitt Trend zu höherem Nüchtern-Insulin/HbA1c (Tufts 2026) – aber individuell, kein Schaden bewiesen. ☕ Das Koffein Bei mir: Effekt v.a. morgens und spät abends. Studienlage: Koffein kann die Insulin- empfindlichkeit vorübergehend senken und die Zuckerreaktion verstärken. Warum ausgerechnet morgens und abends? Morgens: Koffein trifft auf das Dawn-Phänomen – Cortisol und Wachstumshormon sorgen ohnehin für höhere Insulinresistenz. Der Koffein-Effekt kommt oben drauf. Spät abends: veränderte Stoffwechsellage; ausserdem stört Koffein den Schlaf – und schlechter Schlaf hebt den Zucker.
Abb. 1: Zwei Bausteine getrennt – der Süßstoff bewegt meine Kurve nicht, das Koffein schon (vor allem morgens und abends).

Was bei mir wirklich wirkt: das Koffein

Evidenzstufe: plausibel (deckt sich mit der Studienlage)

Der eigentlich interessante Effekt kommt nicht vom Süßstoff, sondern vom Koffein. Und das ist wissenschaftlich gut belegt: Koffein kann die Insulinempfindlichkeit vorübergehend senken und die Blutzuckerreaktion verstärken.2 Bei mir ist der Effekt aber nicht immer gleich – er hängt stark von der Tageszeit ab.

Morgens: Koffein trifft auf das Dawn-Phänomen

Am Morgen ist mein Körper ohnehin in einem Zustand höherer Insulinresistenz – das Dawn-Phänomen: Cortisol und Wachstumshormon fahren den Blutzucker gegen Morgen hoch, ganz ohne Essen.3 Wenn jetzt noch Koffein dazukommt, das die Insulinwirkung zusätzlich dämpft, addieren sich zwei Effekte. Kein Wunder, dass ich morgens am deutlichsten etwas sehe.

Spät abends: Koffein und der Schlaf

Spät am Abend kommt ein zweiter Faktor dazu: Koffein stört den Schlaf – und schlechter Schlaf hebt am nächsten Tag den Blutzucker (mehr dazu in Schlaf & Blutzucker). Eine späte koffeinhaltige Cola wirkt bei mir also doppelt: direkt über die Insulinempfindlichkeit und indirekt über den schlechteren Schlaf.

ℹ️ Ehrlich bleiben: Was ich NICHT sauber getrennt habe

Ich habe im Alltag nicht kontrolliert Cola Zero mit gegen ohne Koffein getestet. Meine Zuordnung „es liegt am Koffein” ist eine begründete Vermutung aus meinem Muster plus der Studienlage – kein sauberer Vorher-Nachher-Versuch. Ein koffeinfreies Cola-Zero als Gegenprobe wäre der nächste logische Test. Genau so eine Gegenprobe plane ich.

Wie ich damit umgehe

  • Cola Zero am Wochenende ist für mich okay – die Kurve bleibt flach.
  • Koffein timing-bewusst: Früh am Morgen und spät am Abend bin ich vorsichtiger, weil da der Effekt am größten ist.
  • Spät abends eher koffeinfrei, um den Schlaf und den Folgetag nicht zu belasten.
  • Ich bewerte nicht die Cola pauschal, sondern trenne Süßstoff und Koffein – zwei verschiedene Dinge in einem Glas.
⚠️ Wichtig

Wer Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nimmt, sollte Koffeineffekte nicht unterschätzen und Änderungen mit dem Behandlungsteam besprechen. Koffein wirkt individuell sehr unterschiedlich; manche Menschen reagieren kaum, andere stark. Das hier ist meine Beobachtung ohne Medikamente – kein allgemeiner Rat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei mir bewegt der Süßstoff in Cola Zero die Glukosekurve nicht – sie bleibt flach.
  • Der Effekt kommt vom Koffein: Es kann die Insulinempfindlichkeit vorübergehend senken.
  • Am stärksten morgens (zusammen mit dem Dawn-Phänomen) und spät abends (plus Schlafstörung).
  • Die Tufts-Analyse (2026) fand im Schnitt höheres Nüchtern-Insulin/HbA1c bei Süßstoffen – aber kein Schaden bewiesen, individuell, weiterhin besser als Zucker.
  • Populationstrend ≠ Einzelfall: Mein CGM entscheidet für mich, nicht die Schlagzeile.
  • Offen: sauberer Gegentest mit koffeinfreier Cola Zero steht noch aus.

Quellen

Quellenstand: 20.07.2026.

  1. Tufts University, Food is Medicine Institute (Meta-Analyse, 21 RCTs, Current Atherosclerosis Reports, 2026): kalorienfreie Süßstoffe vs. Wasser/Placebo → höheres Nüchtern-Insulin und HbA1c, Trend zu schlechterer Insulinempfindlichkeit; kein Schaden bewiesen, weiterhin bessere Wahl als Zucker. now.tufts.edu
  2. Koffein kann die Insulinempfindlichkeit vorübergehend senken und die Blutzuckerreaktion (v. a. nach Mahlzeiten) verstärken; individuell sehr unterschiedlich. Beyond Type 1 / Mayo-Clinic-Zusammenfassung. beyondtype1.org
  3. Dawn-Phänomen: morgendlicher Blutzuckeranstieg durch Cortisol, Wachstumshormon und Glukagon (erhöhte Insulinresistenz), unabhängig von Nahrung. Fachübersicht/CGM-Studien. ncbi.nlm.nih.gov