Die Situation aus der Praxis (Schiff, Bar, Restaurant): Du bestellst Cola Zero, bekommst aber versehentlich normale Cola. Auf dem CGM sieht man dann oft einen schnellen Anstieg – nach dem Getränk ein klarer Peak, danach wieder ein Abfall (je nach Bewegung/Insulinempfindlichkeit).
Warum das so heftig wirkt
Evidenzstufe: gesichert
Normale Cola enthält typischerweise ca. 10,6 g Zucker pro 100 ml. Das sind bei 330 ml ungefähr 35 g Zucker. Cola Zero (Zero Sugar) wird dagegen als 0 g Zucker / 100 ml ausgewiesen. Heißt praktisch: Du erwartest „0″, bekommst aber „~35 g” – wenn du das nicht erwartest, kann dich das komplett aus deinem Rhythmus bringen. Mich selbst hat es einen Abend auf dem Kreuzfahrtschiff gekostet.
Wenn du einen plötzlichen Anstieg feststellst und keine Medikamente nimmst, bleibt oft nur der Sport. Ich selbst habe einfach mehrere Runden auf den Decks 11 und 10 gedreht – bis der Zucker wieder abgefallen ist. Nach ca. 6 Runden war der Spuk vorbei. Das hätte nicht sein müssen, hätte der Service auf die Bestellung gehört.
Sofort-Taktik, wenn du den Verdacht hast
- Getränk stoppen (nicht „austrinken”).
- Neues Getränk nur in Originaldose/-flasche verlangen (selbst öffnen).
- CGM/Blutzucker engmaschig checken (bei Bedarf blutig gegenmessen).
- Bewegung kann den Peak dämpfen (z. B. 10–20 Minuten zügig gehen).
- Wenn du Insulin nutzt: keine Insulin-Anpassung aus dem Bauch heraus – lieber nach deinem abgesprochenen Korrekturschema handeln.
Wie kann man Getränke „auf Zucker” prüfen (realistisch, ohne Labor)?
Option A (am sinnvollsten): Brix-Refraktometer. Ein Refraktometer misst gelöste Stoffe (u. a. Zucker) als °Brix. Normale Cola liegt grob im Bereich um ~10–11 °Brix, was zur typischen Zuckermenge passt. Zero-Getränke liegen nahe 0 °Brix (praktisch kein Zucker). Vorteile: schnell (1–2 Tropfen), wiederholbar, unabhängig von der CGM-Verzögerung – genau die Art „Plausibilitätscheck”, die unterwegs Sinn macht. Wichtig: Kohlensäure vorher kurz ausgasen lassen (schütteln/stehen lassen), sonst misst du unruhiger.
Option B: „Glukose-Teststreifen” für Getränke. Es gibt Streifen, die Glukose nachweisen sollen. In der Praxis ist das fehleranfällig, weil Getränke andere Zuckerarten (z. B. Saccharose/Fruktose) enthalten können und viele Streifen nicht für Lebensmittel/Softdrinks validiert sind. Wenn du das machst: nur als Grob-Indikator – ich werde bald einige testen.
Option C: Mit dem Blutzuckermessgerät das Getränk messen. Davon rate ich ab: Messgeräte/Strips sind für Blut kalibriert, nicht für Softdrinks. Das kann Messwerte verfälschen und das Gerät/Strips unnötig ruinieren. Eine Ausweichmöglichkeit: Streich vorher ein wenig Getränk am Finger über der Stelle, wo ihr messt – die Werte könnt ihr dann mit einer zweiten Teststelle gegenvalidieren.
Nicht alle können unsere Probleme mit zuckerhaltigen Getränken einschätzen. Ich selbst bin auch immer frustriert. Aussagen wie „ist doch egal” oder „Zero macht doch keinen Unterschied” sind verbreitet. Daran werden wir wenig ändern. Ich spreche es zwar immer wieder an und lasse bei solchen Aussagen auch die Getränke stehen – im Restaurant können die Tipps aus diesem Beitrag hoffentlich helfen.
Das Wichtigste in Kürze
- Normale Cola: ~10,6 g Zucker/100 ml → ~35 g pro 0,33 l; Cola Zero: 0 g.
- Bei Verdacht: Getränk stoppen, neues in Originaldose selbst öffnen, Blutzucker checken.
- Bewegung (10–20 Min zügig gehen) kann einen Peak dämpfen.
- Getränke prüfen: Brix-Refraktometer ist am sinnvollsten; vom Blutzuckermessgerät für Getränke wird abgeraten.
- Bei Insulin: nur nach abgesprochenem Korrekturschema handeln, nicht „aus dem Bauch”.
Quellen
Quellenstand: 13.07.2026.
- Zuckergehalt Coca-Cola klassisch ~10,6 g/100 ml; Coca-Cola Zero Sugar 0 g/100 ml. Coca-Cola Produktangaben. coca-cola.com/de
- Brix als Maß für gelöste Feststoffe (v. a. Zucker); Cola-typische Werte ~10–11 °Brix. Grundlage Refraktometrie. Brix (Übersicht)
